Ein Gebäck mit lan­ger Tra­di­ti­on: der Aller­hei­li­gens­trie­zel

Ein Gebäck mit lan­ger Tra­di­ti­on: der Aller­hei­li­gens­trie­zel

Den süßen Hefe­zopf, den wir mitt­ler­wei­le jeden Tag genie­ßen kön­nen, gab es frü­her nur zu beson­de­ren Anläs­sen. Aller­hei­li­gen und Aller­see­len waren zwei die­ser beson­de­ren Tage. In unse­rem Blog­bei­trag erfährst du alles über den Brauch rund um das Armen­brot bzw. den Aller­hei­li­gens­trie­zel.

Die ers­ten Hin­wei­se auf den Aller­hei­li­gens­trie­zel gab es bereits im 17. Jahr­hun­dert. Damals war es aller­dings kein Zopf aus Hefe­teig, son­dern ein Gebäck aus Rog­gen­mehl. Ursprüng­lich war der Aller­hei­li­gens­trie­zel ein Brot, das an Arme und Kin­der ver­teilt wur­de. Beson­ders in länd­li­chen Gegen­den gin­gen Anfang Novem­ber arme Men­schen von Haus zu Haus und baten um das Armen­brot. Als Gegen­leis­tung soll­ten sie für die Toten beten. Zu die­ser Zeit ori­en­tier­ten sich die meis­ten Men­schen an den Regeln der Kir­che. Für die Gläu­bi­gen war es wich­tig, ein bra­ves, gehor­sa­mes Leben zu füh­ren. So wur­de für spä­ter, für den Tod, vor­ge­sorgt. Denn gute Taten beschütz­ten vor dem Fege­feu­er und der Höl­le. Daher wur­de in man­chen Häu­sern in den Tagen vor Aller­hei­li­gen flei­ßig geba­cken, teil­wei­se bis zu 600 Bro­te.

In der Nacht von Aller­hei­li­gen auf Aller­see­len wur­den in vie­len Gegen­den auch Aller­hei­li­gens­trie­zel auf die Grä­ber gelegt. Die­se soll­ten den Ver­stor­be­nen als Ver­pfle­gung die­nen, falls sie in die Welt zurück­kehr­ten.

Doch war­um wird der Germ­teig als Zopf gefloch­ten?

Die Zopf-Form geht bereits ins alte Ägyp­ten zurück. Den Ver­stor­be­nen wur­den Die­ne­rin­nen als Opfer­ga­be mit­ge­ge­ben. Spä­ter wur­den die leben­den Opfer durch abge­schnit­te­ne Haa­re (als Zopf gefloch­ten) ersetzt. Der Haar­zopf wur­de wie­der­um vom Brot-Zopf abge­löst. In vie­len Völ­kern, bei­spiels­wei­se bei den Ger­ma­nen, soll­te das Essen von gefloch­te­nem Gebäck Glück, Kraft und Frucht­bar­keit brin­gen.

Teil­wei­se besteht die Tra­di­ti­on des Brot Schen­kens auch wei­ter­hin. In vie­len Gegen­den Öster­reichs ist es üblich, dass der Tauf­pa­te oder die Tauf­pa­tin an Aller­hei­li­gen zu Besuch kommt und dem Paten­kind einen Aller­hei­li­gens­trie­zel schenkt. Heu­te sind es statt dem Hefe-Zopf oft ande­re Geschen­ke.

Der Hefe­zopf unter­wegs in Sachen Lie­be

In ande­ren Bun­des­län­dern Öster­reichs gibt es zahl­rei­che wei­te­re Tra­di­tio­nen um den Zopf aus Germ­teig. So spielt der Hei­li­gens­trie­zel auch eine wich­ti­ge Rol­le in der Lie­be: Im Bur­gen­land kau­fen die Jun­gen am Vor­abend von Aller­hei­li­gen in den Bäcke­rei­en einen Zopf. Die­ser „Ver­eh­rer­strie­zel“ wird dann dem ange­be­te­ten Mäd­chen geschenkt. In der Stei­er­mark fin­den wir den Brauch umge­kehrt vor. Hier schenkt das Mäd­chen dem Jun­gen, der ihr Liebs­ter wer­den soll, den Zopf. Es gilt als Lie­bes­er­klä­rung, wenn sich der Jun­ge ein ordent­li­ches Stück davon her­un­ter­schnei­det.

Jeder liebt das flau­mi­ge, kunst­voll gefloch­te­ne Gebäck

Da sich das Fei­er­tags-Gebäck immer grö­ße­rer Beliebt­heit erfreu­te und die wirt­schaft­li­che Lage gut ist, gibt es den Hefe-Zopf heu­te jeden Tag in den Bäcke­rei­en zu kau­fen. Jeder Bäcker­meis­ter hat sein eige­nes Rezept für den Germ­teig. Aller­dings gibt es auch kla­re Richt­li­ni­en, was ein Germ­teig-Rezept beinhal­ten muss/darf. Im Lebens­mit­tel­co­dex wird er als „Fei­ne Hefe­teig­back­wa­re“ ange­führt. Die wich­tigs­ten Zuta­ten für einen Germ­teig sind: Mehl, Hefe, Eier, But­ter, Milch, Zucker und etwas Salz. Die Fra­ge, ob Rosi­nen in den Hefe­zopf gehö­ren oder nicht, spal­tet die Bevöl­ke­rung. Die einen lie­ben sie, die ande­ren has­sen sie. Zöp­fe wer­den aus­schließ­lich von Hand gefloch­ten und meist mit Hagel­zu­cker oder Man­del­blätt­chen bestreut.

Einen Germ­teig schön zu flech­ten, erfor­dert von den Bäcke­rin­nen und Bäckern eini­ges an Geschick, Übung sowie Krea­ti­vi­tät. Beson­ders bei Schau­ge­bä­cken wer­den die Hefe­tei­ge zu kunst­vol­len For­men gefloch­ten. Hast du einen Aller­hei­li­gens­trie­zel oder ein ande­res Germ­teig-Gebäck gezau­bert? Dann tei­le dein Kunst­werk mit uns unter #frisch­bacha.

Wei­te­re Bei­trä­ge

2019-10-18T08:34:23+01:00