Brot um die Welt — Ägyp­ten

Brot um die Welt — Ägyp­ten

Bereits vor über 6.000 Jah­ren haben die alten Ägyp­ter Brot geba­cken. Damit zäh­len sie zu den ers­ten Bäckern. Auch heu­te noch zählt das Brot in Ägyp­ten zu den Grund­nah­rungs­mit­teln. Die Ägyp­ter bezeich­nen es als „Aisch“. „Aisch“ bedeu­tet wört­lich über­setzt „Leben“. Dies zeigt ganz klar, wie wich­tig Brot für die Ägyp­ter ist.

Brot im alten Ägyp­ten

Im alten Ägyp­ten gab es kei­nen Tag ohne Brot. Damals war es nicht nur ein wich­ti­ges Nah­rungs­mit­tel und stand täg­lich auf dem Spei­se­plan, es dien­te auch als Lohn für die Arbei­ter. Unter der römi­schen Herr­schaft wur­de Ägyp­ten von den römi­schen Sena­to­ren mehr oder weni­ger abschät­zig als „Korn­kam­mer Roms“ bezeich­net. Denn die Ern­ten waren, sofern der Nil einen frucht­ba­ren Boden hin­ter­ließ, reich­hal­tig.

Natür­lich hin­ter­lie­ßen uns die alten Ägyp­ter kei­ne Rezep­te ihres dama­li­gen Bro­tes. Doch auf­grund von Wand­ma­le­rei­en und alten Schrif­ten, wie die Beschrei­bun­gen des grie­chi­schen Schrift­stel­lers Hero­dot, kön­nen der dama­li­ge Spei­se­plan und das Essen der alten Ägyp­ter rekon­stru­iert wer­den. Außer­dem wur­den den Ver­stor­be­nen Lebens­mit­tel für die Rei­se ins Jen­seits mit­ge­ge­ben. Eini­ge Spei­sen, dar­un­ter auch Brot, sind noch erstaun­lich gut erhal­ten.

Für die Zube­rei­tung von Brot zer­klei­ner­ten sie zuerst das Getrei­de in einem Mör­ser, danach zwi­schen zwei Stei­nen. Anschlie­ßend wur­de das Mehl durch ein Bin­sen­gras-Sieb gesiebt. Dies war jedoch nicht sehr effi­zi­ent und immer wie­der ver­irr­ten sich klei­ne Stein­chen dar­in. Das Mehl wur­de mit Was­ser und ein wenig Salz gemischt und in eine belie­bi­ge Form gebracht. Auf einem Stein über dem Feu­er, in der Asche eines Ofens oder in einem Lehm­ofen wur­de der Teig dann geba­cken.

Die Brot­form erin­nert an das heu­ti­ge Fla­den­brot. Mit­hil­fe von Förm­chen konn­ten die Bäcker jedoch ihrer Fan­ta­sie frei­en Lauf las­sen und auch tie­ri­sche oder mensch­li­che For­men ent­ste­hen las­sen. Mit ver­schie­de­nen Zuta­ten, wie Hefe, Fett, Milch, Eier, Honig oder ver­schie­de­nen Gewür­zen sowie Früch­ten, ver­lie­hen sie ihrem Brot Geschmack. So hat­te jeder Bäcker sein eige­nes Rezept. Über 30 ver­schie­de­ne Namen von Bro­ten, Kuchen und Kek­sen sind uns heu­te bekannt.

Das heu­ti­ge Ägyp­ten

Auch heu­te noch ist Brot eines der Haupt­nah­rungs­mit­tel in Ägyp­ten. Brot wird zu allen Mahl­zei­ten gereicht. Daher ist es auch wenig ver­wun­der­lich, dass der Brot­kon­sum in Ägyp­ten zwi­schen 150 und 180 Kilo­gramm pro Jahr beträgt. Für ärme­re Men­schen wird Brot sogar von der ägyp­ti­schen Regie­rung geför­dert: In den Städ­ten gibt es Bäcke­rei­en, die zehn Fla­den­bro­te für einen LE ver­kau­fen. Umge­rech­net sind das unge­fähr etwas mehr als 50 Cent. Täg­lich war­ten davor vie­le Men­schen und es bil­den sich lan­ge Schlan­gen. Auf dem Land backen die Frau­en das Brot meist selbst und die haus­ge­mach­ten schme­cken natür­lich immer am bes­ten. 😉

Für das ägyp­ti­sche Brot wird meist Wei­zen­mehl ver­wen­det. Getrei­de­ar­ten wie Rog­gen oder Gers­te sind dort unbe­kannt und wer­den daher auch nicht ange­baut.

Brot­sor­ten in Ägyp­ten

  • Aisch Bala­di – Fla­den­brot oder auch Dorf­brot: Es besteht aus einem leicht gesal­ze­nem Wei­zen-Hefe-Teig und wird direkt auf dem Boden eines Stein­ofens geba­cken. Die ägyp­ti­schen Fla­den­bro­te kön­nen in Grö­ße und Mehl­sor­ten vari­ie­ren. Die Form ist immer rund und innen hohl. Das Brot sieht frisch­ge­ba­cken aus wie auf­ge­bla­sen. Es eig­net sich auch sehr gut als Besteck-Ersatz.

Neben dem Fla­den­brot, wel­ches am häu­figs­ten vor­kommt, gibt es in Ägyp­ten noch vie­le ande­re Brot­sor­ten. Eini­ge haben wir hier zusam­men­ge­fasst:

  • Aisch Schams – Son­nen­brot: Die­ses Brot sieht nicht aus wie eine Son­ne, son­dern hat es auf­grund sei­ner Gär­zeit in der Son­ne bekom­men. Das Hefebrot geht in der Son­ne auf und erhält dadurch eine locke­re Kru­me. Es kommt unse­rem Brot am nächs­ten.
  • Fatir Maschal­tet – Fla­den­crois­sant: Die­se wer­den wie Crois­sants mit viel But­ter zwi­schen den Schich­ten zube­rei­tet. Aller­dings ist die Form, im Gegen­satz zum halb­mond-för­mi­gen Crois­sant, rund. Auf­grund sei­ner Form wird es auch als ägyp­ti­scher Crê­pe oder ägyp­ti­sche Piz­za bezeich­net: Fatir kann je nach Belie­ben belegt wer­den, süß oder pikant, und wird teil­wei­se danach noch über­ba­cken. Über­all gibt es Bäcke­rei­en, die als „Egyp­ti­an Piz­za“ bezeich­net wer­den und sich dar­auf spe­zia­li­siert haben.
  • Aisch Fino und Aisch Franzau­wy: Die­se Brot­stan­gen bestehen aus Wei­zen­mehl. Aisch Fino sind klei­ne­re Stan­gen, die ger­ne auch als Sand­wich gefüllt wer­den. Das Aisch Franzau­wy ist grö­ßer und dem Baguette ähn­li­cher.
  • Aisch Kai­ser – Bröt­chen: Wer­den aus dem­sel­ben Teig wie die obe­ren Brot­stan­gen geba­cken. Aller­dings sind sie rund und eig­nen sich bei­spiels­wei­se sehr gut für Ham­bur­ger.
  • Baks­u­mat – Zwie­back­stan­gen: Sie sind ähn­lich wie ita­lie­ni­sche Gris­si­ni und wer­den ger­ne als leich­tes Früh­stück zu schwar­zem Tee geges­sen.
  • Roak – ägyp­ti­sche Lasa­gne-Blät­ter: Der Teig die­ser Teig­plat­ten besteht aus Was­ser und Mehl. Dar­aus ent­ste­hen hauch­dün­ne, knusp­ri­ge Plat­ten. Oft wer­den sie mit Zucker­si­rup oder mit Fleisch in einer Auf­lauf­form zube­rei­tet. Dabei ent­steht eine Art ägyp­ti­sche Lasa­gne.

Wei­te­re Bei­trä­ge

2019-12-27T11:35:55+01:00